1917

UK 2019

Sam Mendes inszeniert die riskante Mission zweier Soldaten im Ersten Weltkrieg als fesselnde Tour de Force scheinbar ohne Schnitt in Echtzeit. Ein filmisches Meisterwerk.

Regie
Sam Mendes
Länge
119 min
Programm

Sam Mendes inszeniert die riskante Mission zweier Soldaten im Ersten Weltkrieg als fesselnde Tour de Force scheinbar ohne Schnitt in Echtzeit. Ein filmisches Meisterwerk. Nordfrankreich, 6. April 1917. Zwei junge britische Soldaten bekommen an der Front fern der Heimat einen Befehl, der über Leben und Tod von 1600 ihrer Männer entscheidet: Die beiden sollen sich durch feindliches Niemandsland zu zwei Bataillonen durchkämpfen, um sie vor einer potentiell tödlichen Falle der Deutschen zu warnen. In einer schier unmöglich scheinenden Mission bleiben ihnen nur wenige Stunden, die Botschaft zu überbringen. Blake und Schofield zwängen sich durch enge Gräben, an Hunderten Kameraden vorbei, durch Stacheldrähte und Pferdekadaver auf offenem Gelände oder unübersichtliche Ruinen, immer in Gefahr, entdeckt und abgeschossen zu werden. Der cineastische Clou: Regisseur Sam Mendes, dessen Film auf Erzählungen seines Großvaters basiert, der an der belgischen Front gekämpft hatte, inszeniert das Rennen gegen die Uhr in »Echtzeit« ohne sichtbare Schnitte. Die Kamera (Roger Deakins dürfte der Academy Award dafür sicher sein) kreist um die Protagonisten, öffnet auch mal den Blick auf die Weite des Schlachtfelds, weicht aber in der zweistündigen Plansequenz bis auf eine handlungsbedingte Unterbrechung nie vom Geschehen ab. Der Plot ist so geradeaus und eindeutig wie der Befehl der Soldaten, keine Nebenhandlung, keine Rückblenden. Zwar kreuzen immer wieder andere Soldaten ihren Weg, teils prominent besetzt, doch nur für wenige Minuten, gerade lange genug, um sich zu fragen, was eigentlich deren Geschichte ist. Doch die Leinwand gehört ganz den beiden Hauptdarstellern, allen voran George MacKay, der hier buchstäblich eine Tour de Force absolviert. Trotz seiner technischen Ambition und Raffinesse und der simulierten Echtzeit ist Sam Mendes’ fesselnder Kriegsthriller kein bloßer Kinogimmick, bei dem man nach den versteckten Schnitten sucht oder über scheinbar unmögliche Kamerabewegungen staunt, sondern eine zwingendes, im besten Sinne manipulatives Eintauchen in die Abgründe des Krieges und Mendes‘ bislang bester Film. Heldenpathos ist seine Sache nicht, er macht mehr als einmal deutlich, dass meist nur der Zufall entscheidet, wer am Ende überlebt. Ein Klassiker des Genres schon jetzt und ein sicherer Oscarkandidat.
JG